Mein nächstes Ziel ist wieder leicht touristischer. Ich werde irgendwie eine größere Runde um das berühmte Schloss Neuschwanstein wandern um mir dann den Pöllatfall anzusehen. Und so geht es hinauf zum Tegelberg. Highlights gibt es zunächst keine. Ich finde das Bauwerk hässlich, verschandelt irgendwie die Landschaft. Das darf man hier natürlich keinem sagen. Alles ist sehr touristisch, der Wanderweg langweilig und auch hässlich und ich befinde mich im Aufmarschgebiet der Bundeswehr. Ich glaube mein Rucksack ist schwerer als denen ihrer. Wir sind früher noch mit Gewehr und Gasmaske marschiert (okay, ich nicht…).
Nach einiger Zeit und zahllosen entgegenkommenden Turnschuhtouristen erreiche ich die Bergstation der Seilbahn…um dann festzustellen, dass ich schon weiter unten hätte abbiegen sollen und mir so diese Hässlichkeit hätte ersparen können. Zwar gibt es hier schöne Blicke ins Tal und auf die verschneiten Alpen, aber der Pfad, der oben weiter entlang führt, ist mir aufgrund der Nässe und des Restschnees zu heikel. Immerhin kann ich den letzten Schneemann in diesem Winter bauen.
Ich muss also wieder etwas nach unten um Richtung Pöllatfall und -schlucht zu gelangen. Hier zeigt sich dann, weshalb sich auch dieser Wandertag gelohnt hat. Am Wegesrand, an den Hängen und auf den Felsen wachsen wunderschöne Kiefern, jede besticht durch eine einzigartige Schönheit und einen eigenen Charakter. Manche sind richtige große Bäume, manchmal grün, manchmal nur noch Skelette vor der Bergkulisse, andere wachsen bonsaiartig scheinbar aus den Felsen heraus. Immer wieder muss ich stehen bleiben, um mir verschiedene Exemplare anzusehen. Derweil geht es immer weiter nach unten. Ein ständiger Wechsel aus Links- und Rechtskurven, manchmal tut sich ein Blick zum Schloss auf. Der Abstieg zieht sich ewig hin. Außer zwei älteren Menschen irgendwo hinter mir und zwei jüngeren Menschen, die mir entgegenkommen, ist auf dem Weg nichts los. Umso heftiger ist es, als ich plötzlich mit gefühlten fünfhundert Menschen (überwiegend natürlich Japaner) auf der Marienbrücke hinter dem Schloss Neuschwanstein und 90 Meter über dem Wasserfall stehe. Schnell Fotos machen und Flucht nach unten. Unter all den Touristen wirke ich mit meiner Kleidung auch leicht fehl am Platz.
Von unten sehe ich mir den Wasserfall an und durchwandere die sich anschließende Pöllatschlucht. An Kuhweiden vorbei geht es wieder zum Bus. Aufgrund des Touristengebiets ist natürlich nächtigen auf dem Parkplatz verboten, aber ich finde etwas entfernt einen netten Platz. Der hat zwar Hanglage, was bei allen Aktivitäten im Bus höchste Aufmerksamkeit erfordert, dafür aber Alpenpanorama und zwei Ruinen in der Nähe, die ich mir am nächsten Tag ansehen werde.
Als ich dann ins Bettchen wollte ging der Mond auf und es war einfach nur noch wunderschön. Vollmond, die Umrisse der Berge und Bäume, Kuhglocken und das Gezirpe der Grillen in einer vergleichsweise lauen Sommernacht.