Seealpen

Geschrieben am 22.07.2012 in Reiseberichte, Seealpen Mai 2012

Nördlich von Nizza und Monaco liegen einsame Berge, tiefe Schluchten, nette Wasserfälle, idyllische Bergdörfer und schmale Straßen — die französischen Seealpen. Unterwegs mit VW-Bus und wandernd im Mai 2012.

Inhalt

  1. Cuore
  2. Col d’Agnon
  3. Vallon du Réfréi
  4. Vallée de Fontanalbe
  5. Thiéry
  6. Gorges des Daluis

Reisehinweise und anderes Zeugs

Übernachten im Campingbus
Außer am Mittelmeer problemlos auf (Wander-) Parkplätzen oder Flächen am Straßenrand möglich. Von den Hauptverkehrsstraßen im Tal führen immer wieder kleinere Straßen in die Berge, wo sich nette Stellplätze finden. Eine Wanderkarte ist dazu sehr hilfreich. Die Straßen sind stellenweise sehr schmal, so dass es mit einem größeren Wohnmobil eng werden könnte.
Wasser gibt es aus Brunnen oder Bächen.

Solardusche
Der Bus verfügt über viele Dinge, die das Leben unterwegs schöner machen. Allerdings fehlt eine Dusche mit fließend Warmwasser. Dieses konnte mit einer Solardusche für unter zehn Euro behoben werden. Bis zu 20 Liter werden an einem Brunnen oder Bach eingefüllt, der schwarze Kunststoffsack wird in die Sonne gelegt und liefert (sofern Sonne vorhanden) schon nach wenigen Stunden warmes Wasser. Damit können zwei Personen duschen und alle weiteren anfallenden Körperpflegemaßnahmen durchführen sowie das Geschirr gereinigt werden. Aus den mitgeführten dreimal 19 Liter Kanistern haben wir fast gar kein Wasser verbraucht. Die Solardusche lagert vorne in der Gepäckwanne auf dem Dach.

Tanken
In Frankreich günstig, daher gleich nach der Grenze am Meer voll tanken und dito bei der Rückreise. Die Spritpreise sind allerdings im Gebirge sehr hoch.

Wanderkarten
Topographische Wanderkarten des IGN 1:25.000

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Gorges des Daluis

Geschrieben am 22.07.2012 in Reiseberichte, Seealpen Mai 2012

Ein weiteres landschaftliches Highlight der Seealpen ist die Schlucht von Daluis. Sie überzeugt durch ihre beeindruckende Tiefe und ihr rötliches Gestein. Mitten durch führt eine schmale Straße mit etlichen Tunnel, selbstverständlich ohne Beleuchtung und teilweise so dunkel, dass man nicht mal den Boden erkennen kann. Die Strecke ist sehr spektakulär, da sie sich in der Schlucht am Felshang entlang schlängelt. Einen einzigartigen Blick in die Schlucht bietet ein Aussichtspunkt, zu dem wir wandern wollen. Leider ist das Wetter nun gar nicht mehr auf unserer Seite, es regnet ständig. Wir ziehen uns einigermaßen wasserdicht an, da wir uns die Aussicht natürlich nicht entgehen lassen wollen. Die Wanderung ist nicht weiter anstrengend, da der Weg für die Touristen sehr gut ausgebaut ist. In einer Regenpause erreichen wir den Aussichtspunkt und sind von der Tiefe der Klamm beeindruckt. Leider ist alles etwas diesig und die Berge sind in Wolken. Weit unten ist der Fluss zu erkennen. Leider beginnt es schon bald wieder zu regnen.

Panoramabild:
Gorges des Daluis

Fotos:

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Thiéry

Geschrieben am 22.07.2012 in Reiseberichte, Seealpen Mai 2012

Thiéry ist ein Bergdorf, das vom Tal des Flusses Var nur über eine 16 Kilometer lange enge Gebirgsstraße zu erreichen ist.

Wir haben das Roya-Tal verlassen und versuchten zunächst, einen Platz am Mittelmeer zu bekommen. Dass Übernachtungen dort nicht möglich sind, war klar, aber leider gibt es für Fahrzeuge mit 2,10 Meter Höhe auch keine Parkplätze. Zumindest ging es durch Monaco, so dass der Bus nun auch mal auf einer Formel-1-Strecke gefahren ist.

Wir finden einen netten Platz am Straßenrand und besichtigen am nächsten Tag Thiéry. Ein Bergdorf wie aus dem Bilderbuch, enge verwinkelte Gassen, kleine Häuschen und zu drei Seiten steil abfallende Hänge. Die Straße endet hier. Wer ins nördliche Nachbardorf (zwei Kilometer Luftlinie) will muss entweder zu Fuß gehen oder mit dem Auto erst wieder hinunter ins Tal und auf der anderen Seite wieder hoch -  34 Kilometer. Wir wollen den Aufnahmestandpunkt der Ortsansicht aus unserem Führer finden, da wir die vorgeschlagene Wanderung aufgrund ihrer Länge sowieso vergessen können. Also gehen wir etwas spazieren und finden auch geeignete Aufnahmepunkte, die das Dorf in seiner ganzen Pracht zeigen. Das Wetter war an diesem Tag etwas wechselhaft. Morgens gab es Gewitter und Regen, dann kam aber doch wieder die Sonne raus.

Panoramabild:
Thiéry

Fotos:

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Vallée de Fontanalbe

Geschrieben am 18.07.2012 in Reiseberichte, Seealpen Mai 2012

Ein Teil der Seealpen liegt im Nationalpark Mercantour. Recherchiert man danach, stößt man schon bald auf die mysteriösen Felszeichnungen, welche vor etwa 4000 Jahren auf über 2000 Meter Höhe in Felsen geritzt wurden. Warum man damals in solche Höhen gezogen ist, um solche Gravuren im Fels anzulegen, weiß natürlich niemand so genau. Klar war auf jeden Fall: Das müssen wir uns ansehen! Manche der Felsritzungen sind auf einer normalen Wanderung zu sehen, andere sind aber nur mit Führung zu besichten. Die Felsgravuren liegen in zwei verschiedenen Hochtälern. Über eine wunderschöne Bergstraße geht es wieder über Serpentinen steil hinauf. Oben befinden sich Restaurants und Hotels. Weiter davor aber an einem Gebirgsfluss herrliche Übernachtungsplätze mit gratis Bergpanorama. Da wir ziemlich hoch oben sind, wird es nachts ziemlich kalt und leider wollte unsere Heizung nicht mehr funktionieren. Am nächsten Morgen scheint aber wieder die Sonne und es herrscht perfektes Wetter für den Aufstieg. Die Landschaft dort ist einfach herrlich. Weite Sicht und lichte Lärchenwälder – unten mit frischen grünen Nadeln, weiter oben noch kahl. Am Rande des Weges schmilzt der Schnee, der Weg selbst ist aber problemlos zu passieren. Oben erreichen wir den Lac Vert de Fontanalba mit glasklarem eiskaltem Wasser und wunderschöner Bergkulisse. Ein traumhafter Platz. Am Wegesrand weisen Schilder darauf hin, dass man die Wege nicht verlassen soll und dass man Felsritzungen nicht mit Wanderstöcken berühren soll. Wir spazieren zwischen Felsbrocken hindurch am See entlang, bewundern Blümchen und entdecken schließlich die ersten Felsgravuren. Von manchen ist nur noch sehr wenig zu erkennen und nur die Schilder verraten mehr, bei anderen sind deutlich Tier- und Menschengestalten und andere seltsame Wesen zu erkennen. Es geht weiter den Berg hoch bis zu einem treppenartigen Aufstieg an dessen Rand sich eine meterlange Felswand entlang zieht, auf der Felszeichnungen zu betrachten sind. Auf dieser Höhe ist es schon erstaunlich, dass die Ritzungen die Jahrtausende so gut überstanden haben.

Hier oben zeigt sich auch langsam die Tierwelt. Neben Steinböcken erfreuen uns insbesondere die Murmeltiere. Wir beobachten lange eine Gruppe, die sich sonnt, Gras frisst und herumtollt. In dieser Landschaft lässt es sich stundenlang umherwandern, aber irgendwann müssen wir wieder zurück ins Tal.

Panoramabilder:
Le Lac Vert de Fontanalba
Gias des Pasteurs

Fotos:

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Vallon du Réfréi

Geschrieben am 05.07.2012 in Reiseberichte, Seealpen Mai 2012

Von Tende aus folgen wir noch ein paar Kilometer einer schmalen Straße, die von Schlaglöchern gezeichnet ist. An einem Gebirgsfluss halten wir an und wollen die Nacht verbringen. Dort befindet sich auch ein kleiner Hohlraum, der aber zugemüllt ist. Am folgenden Tag werden “Höhlen” unsere Wanderung begleiten. Da wir gestern erfahren mussten, dass die Zeiten in unserem Wanderführer nur für ausdauernde Läufer oder Radfahrer gedacht sind, entschließen wir uns gleich für eine kürzere Variante. An einem kleinen Teich, der als Lac in unserer Karte verzeichnet ist, geht es an Gehöften vorbei hinauf auf den Berg.

Der Aufstieg ist nicht ganz so anstrengend, zumal uns ein paar tolle Sehenswürdigkeiten erwarten werden und es vom Weg ständig eine Aussicht zurück ins Tal nach Tende gibt. Oben werden wir auf einen Fels treffen, in dem sich eine künstliche Höhle befindet, welche von Italienern in den Berg gesprengt wurde. Wir befinden uns im Grenzgebiet, welches vor siebzig Jahren Kriegsgebiet war. Gemächlich laufen wir in Serpentinen nach oben. Wir passieren Ruinen von einstigen Höfen, teilweise mit beeindruckender Ausdehnung. Nachdem es immer weiter bergauf geht, erreichen wir eine kleine Höhle, die zwar nett ist aber noch nichts besonderes.  Allerdings können wir schon den Fels sehen, der markant aus der Landschaft aufragt und mehrere Schießscharten aufweist. Auf der anderen Talseite sind weitere “Fenster” im Fels zu sehen. Auch dort befindet sich ein künstlicher Hohlraum. Dieser wird auch auf unserem Weg liegen. Der Weg dorthin sieht aber noch weit aus, zumal wir zunächst in das Tal hinunter müssen um auf der anderen Seite wieder aufzusteigen. Auf einer Wiese auf der anderen Seite sehen wir eine große Schafherde, daneben ein rauschender Wasserfall.

Schließlich kommen wir an dem Fels an. Natürlich muss der Bunker besucht und erkundet werden. Es geht noch kurz mal ein bisschen bergauf, was aber angesichts des bisherigen Aufstiegs auch nicht mehr weiter tragisch ist. Am Eingang blickt man direkt in eine Schießscharte. Es geht nach rechts um die Ecke, daran schließt ein endlos scheinender Gang an. Unsere Stirnlampen können die Weite nicht erfassen. Links sind immer wieder Räume, deren ehemaliger Nutzen sich uns nicht erschließt. Wir gehen weiter durch den Gang. Nach rechts geht eine Treppe hinauf durch den Fels. Auch hier schaffen es die Lampen nicht bis zum Ende zu leuchten. Weiter geradeaus zweigt sich der Gang ab und führt jeweils zu einem der beiden “Fenster”. Am Boden befindet sich eine Wasserrinne. Wir steigen die Treppe hinauf. Die Stufen sind hoch. Das Ende, später auch der Anfang der Treppe, verschwinden in der Dunkelheit. Oben erwartet uns ein weiterer Ausgang. Von dort aus laufen wir um den Fels herum und gelangen wieder zu unserem Eingang. Ein imposantes Bauwerk, was die Italiener damals im 2. Weltkrieg  in den Fels gesprengt haben, um von dort aus Tende zu bewachen und gegebenenfalls zu beschießen. Glücklicherweise sind friedliche Zeiten und wir können unseren Spaß an solchen Einrichtungen haben. Nach diesem Bunkererlebnis gönnen wir uns erstmal ein Mittagessen.

Anschließend folgt der Abstieg ins Tal, der aber weitaus weniger schlimm ist als befürchtet. Es geht in Serpentinen nach unten, wobei es in der einen Richtung windig und kalt ist und in der anderen sonnig und heiß. Irgendwann haben wir keine Lust mehr nach jeder Kehre unsere Kleidung zu wechseln und entschließen uns für einen Mittelweg aus ein bisschen schwitzen und ein bisschen frieren. Wir überqueren einen Bach. Dann geht es auf der anderen Talseite wieder nach oben. Bald befinden wir uns über dem anderen Bunker. Leider weist vor Ort kein Schild auf ihn hin und wir können keinen Eingang erkennen. Wir wandern an den Klippen entlang, in der Hoffnung vielleicht doch noch den Eingang zu finden. Dieser kommt aber leider nicht. Der Pfad geht hinab. Ein Wasserfall befindet sich am Weg und erfreut uns. Am Bus gibt es dann noch ein kleines Fußbad im eiskalten Gebirgsfluß.

Panoramabilder:
Vallon du Réfréi (1)
Vallon du Réfréi (2)

Fotos:

 

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