Von Tende aus folgen wir noch ein paar Kilometer einer schmalen Straße, die von Schlaglöchern gezeichnet ist. An einem Gebirgsfluss halten wir an und wollen die Nacht verbringen. Dort befindet sich auch ein kleiner Hohlraum, der aber zugemüllt ist. Am folgenden Tag werden “Höhlen” unsere Wanderung begleiten. Da wir gestern erfahren mussten, dass die Zeiten in unserem Wanderführer nur für ausdauernde Läufer oder Radfahrer gedacht sind, entschließen wir uns gleich für eine kürzere Variante. An einem kleinen Teich, der als Lac in unserer Karte verzeichnet ist, geht es an Gehöften vorbei hinauf auf den Berg.
Der Aufstieg ist nicht ganz so anstrengend, zumal uns ein paar tolle Sehenswürdigkeiten erwarten werden und es vom Weg ständig eine Aussicht zurück ins Tal nach Tende gibt. Oben werden wir auf einen Fels treffen, in dem sich eine künstliche Höhle befindet, welche von Italienern in den Berg gesprengt wurde. Wir befinden uns im Grenzgebiet, welches vor siebzig Jahren Kriegsgebiet war. Gemächlich laufen wir in Serpentinen nach oben. Wir passieren Ruinen von einstigen Höfen, teilweise mit beeindruckender Ausdehnung. Nachdem es immer weiter bergauf geht, erreichen wir eine kleine Höhle, die zwar nett ist aber noch nichts besonderes. Allerdings können wir schon den Fels sehen, der markant aus der Landschaft aufragt und mehrere Schießscharten aufweist. Auf der anderen Talseite sind weitere “Fenster” im Fels zu sehen. Auch dort befindet sich ein künstlicher Hohlraum. Dieser wird auch auf unserem Weg liegen. Der Weg dorthin sieht aber noch weit aus, zumal wir zunächst in das Tal hinunter müssen um auf der anderen Seite wieder aufzusteigen. Auf einer Wiese auf der anderen Seite sehen wir eine große Schafherde, daneben ein rauschender Wasserfall.
Schließlich kommen wir an dem Fels an. Natürlich muss der Bunker besucht und erkundet werden. Es geht noch kurz mal ein bisschen bergauf, was aber angesichts des bisherigen Aufstiegs auch nicht mehr weiter tragisch ist. Am Eingang blickt man direkt in eine Schießscharte. Es geht nach rechts um die Ecke, daran schließt ein endlos scheinender Gang an. Unsere Stirnlampen können die Weite nicht erfassen. Links sind immer wieder Räume, deren ehemaliger Nutzen sich uns nicht erschließt. Wir gehen weiter durch den Gang. Nach rechts geht eine Treppe hinauf durch den Fels. Auch hier schaffen es die Lampen nicht bis zum Ende zu leuchten. Weiter geradeaus zweigt sich der Gang ab und führt jeweils zu einem der beiden “Fenster”. Am Boden befindet sich eine Wasserrinne. Wir steigen die Treppe hinauf. Die Stufen sind hoch. Das Ende, später auch der Anfang der Treppe, verschwinden in der Dunkelheit. Oben erwartet uns ein weiterer Ausgang. Von dort aus laufen wir um den Fels herum und gelangen wieder zu unserem Eingang. Ein imposantes Bauwerk, was die Italiener damals im 2. Weltkrieg in den Fels gesprengt haben, um von dort aus Tende zu bewachen und gegebenenfalls zu beschießen. Glücklicherweise sind friedliche Zeiten und wir können unseren Spaß an solchen Einrichtungen haben. Nach diesem Bunkererlebnis gönnen wir uns erstmal ein Mittagessen.
Anschließend folgt der Abstieg ins Tal, der aber weitaus weniger schlimm ist als befürchtet. Es geht in Serpentinen nach unten, wobei es in der einen Richtung windig und kalt ist und in der anderen sonnig und heiß. Irgendwann haben wir keine Lust mehr nach jeder Kehre unsere Kleidung zu wechseln und entschließen uns für einen Mittelweg aus ein bisschen schwitzen und ein bisschen frieren. Wir überqueren einen Bach. Dann geht es auf der anderen Talseite wieder nach oben. Bald befinden wir uns über dem anderen Bunker. Leider weist vor Ort kein Schild auf ihn hin und wir können keinen Eingang erkennen. Wir wandern an den Klippen entlang, in der Hoffnung vielleicht doch noch den Eingang zu finden. Dieser kommt aber leider nicht. Der Pfad geht hinab. Ein Wasserfall befindet sich am Weg und erfreut uns. Am Bus gibt es dann noch ein kleines Fußbad im eiskalten Gebirgsfluß.
Panoramabilder:
Vallon du Réfréi (1)
Vallon du Réfréi (2)
Fotos: